Praxisbeispiele

migesplus.ch bietet eine Plattform für gute Projekte und innovative Ansätze zur Stärkung der Gesundheitskompetenz der Migrationsbevölkerung.

Bedeutung von Information in der Muttersprache

Die Fachstelle für Interkulturelle Suchtprävention Kanton Zürich FISP orientiert sich an den Bedürfnissen der Migrationsbevölkerung und entwickelt entsprechende Informationsangebote.

Joseph Oggier, Co-Leiter FISP

Um eine derart heterogene Zielgruppe wie die MigrantInnen zu erreichen, bedarf es einer Vielfalt an Wegen und Mitteln. Während sich visuelle Medien wie DVDs als Grundlage für Diskussionen – z. B. in Vereinen oder an Elternabenden in Schulen – besonders eignen, kann schriftliches Material – wie z. B. ein Merkblatt – als Reminder für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Broschüren dienen der zusätzlichen Vertiefung eines Themas.

Dabei kann durch die Übersetzung in verschiedene Sprachen sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht ein besseres Ergebnis erzielt werden. MigrantInnen, die noch nicht lange in der Schweiz leben, und jene, die – z. B. aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters – erschwerte Bedingungen beim Erlernen einer neuen Fremdsprache (in diesem Falle je nach Landesteil Deutsch, Französisch oder Italienisch) aufweisen, können so besser oder überhaupt erst erreicht werden. Hinzu kommt, dass es gerade im Bereich Gesundheit Fachausdrücke gibt, die allgemein schwer verständlich sind. 

Durch die Informationsvermittlung in verschiedenen Sprachen kann Missverständnissen in einem lebenswichtigen Bereich vorgebeugt werden. Ebenso darf die Bedeutung der Muttersprache in Diskussionen oder Beratungen gerade bei besonderer emotionaler Betroffenheit und/oder tabuisierten Themen keinesfalls unterschätzt werden. Dies kann beispielsweise bei Vorliegen eines Suchtproblems in der Familie der Fall sein.

Zusätzlich bieten Materialien in diversen Sprachen einen weiteren grossen Vorteil: Es können Zugangswege und Kanäle in einem Ausmass erschlossen werden, wie es sonst verwehrt bliebe. So können u. a. Botschaften und/oder Konsulate beliefert, religiöse Institutionen besucht werden oder es kann Informationsmaterial in Läden von MigrantInnen aufgelegt werden. Dabei sind persönliche Kontakte besonders wertvoll. Geht eine interkulturelle Vermittlerin/ein interkultureller Vermittler persönlich vorbei, fragt nach dem Interesse und erklärt die Wichtigkeit der Verbreitung der Information, kann im Vergleich zu einem Massenversand der Streuverlust deutlich geringer gehalten werden, erreichen die Materialien die MigrantInnen in einem für sie vertrauten Kontext und fallen – dank der Nutzung bestehender Verteilnetze – keine Mehrkosten an.

www.fisp-zh.ch

Vokabular mit Übersetzerinnen und Übersetzern erarbeiten

Die Krebsliga Schweiz führte einen Workshop mit Übersetzerinnen und Übersetzern durch.

Interview mit Katrin Haldemann, Programmleiterin Prävention, Krebsliga Schweiz.

Für die Erarbeitung der Broschüre «Eine ausgewogene Ernährung stärkt die Gesundheit» arbeitete die Krebsliga eng mit den Übersetzerinnen und Übersetzern zusammen. Wie gestaltete sich diese Zusammenarbeit und welche Erfahrungen hat die Krebsliga gemacht?

Die Krebsliga organisierte mit den Übersetzerinnen und Übersetzern einen Workshop. Die Teilnehmenden erhielten vorab den Ausgangstext mit Diskussionsfragen sowie die Informationen zum Auftrag (Zeitplan, Konditionen zur Bezahlung etc.). Ziel des Workshops war es erstens die Präventionsbotschaften und das Ziel des Ausgangstextes mit den Übersetzerinnen und Übersetzern zu besprechen. 

Dieser Austausch half einerseits den Übersetzerinnen und Übersetzern eine gute sinngetreue Übersetzung gewährleisten zu können und ein Gefühl für den passenden Sprachstil in der Übersetzung zu finden und andererseits gab er uns die Möglichkeit den Text noch einmal unter dem Blickwinkel der Zielsprachen und somit der Zielgruppen zu reflektieren. Zweitens sollten im Workshop  inhaltliche Fragen bezüglich Ernährungsgewohnheiten geklärt werden. Mit den Übersetzerinnen und Übersetzern wurde besprochen, ob und welche Gemüsesorten oder Nahrungsmittelgruppen im Ausgangstext fehlen, welche für die eine oder andere Sprachgruppe relevant sind und explizit genannt werden sollten. 

Neben sprachlicher Klarheit und Verständlichkeit des Textes wurden in der Gruppe auch spezifische Begriffe wie z.B. «Gemüsemuffel» diskutiert. Einige Übersetzerinnen und Übersetzer hatten für den Workshop bereits die übersetzten Texte dabei. In der Diskussion wurde bei Unklarheiten der deutsche Ausgangstext angepasst und konnte so zum Teil deutlich vereinfacht werden. 

Nach Abschluss des Projektes evaluierten wir den Prozess. Die Übersetzerinnen und Übersetzer – wie wir als Organisatoren – haben den Workshop als sehr wertvoll für die Arbeit empfunden. 

Welche Fragen stehen für die Krebsliga bezüglich des Themas Migration heute im Vordergrund? 

Die Krebsliga hat diverse Informationsmaterialien zu Früherkennung und Prävention von Krebs in Migrationssprachen erarbeitet (Serbisch/Bosnisch/Kroatisch, Albanisch, Türkisch, Spanisch, Portugiesisch). Zudem wurden Faktenblätter zu den häufigsten Krebsarten in diese Sprachen übersetzt. 

Die Krebsliga plant Aktivitäten, die noch zielgerichteter sind. Als eine Massnahme entwickeln wir das Distributionsverzeichnis von migesplus für die Krebsthematik weiter. 

Bei allen neuen Projekten möchten wir den transkulturellen Ansatz einhalten. Das bedingt, dass bei der Projektplanung von Beginn weg die Zielgruppe Migrantinnen und Migranten explizit berücksichtigt und ihre Bedürfnisse einbezogen werden. Entsprechend wollen wir als nächsten Schritt eine Bedürfnisanalyse (intern/extern) bei der Migrationsbevölkerung erstellen und aufgrund der Ergebnisse die nötigen Massnahmen und Ressourcen beantragen.

Links:
www.krebsliga.ch/migranten

Informationsangebote evaluieren und weiterentwickeln

Das Bundesamt für Sport evaluiert Informationsangebote für die Migrationsbevölkerung und entwickelt neue Angebote.

Interview mit Jenny Pieth, wissenschaftliche Mitarbeiterin Prävention und Integration

Von August 2007 bis Ende Februar 2008 hat das BASPO die Broschüre Bewegung ist Leben zum Thema Bewegung und Sport für Migrantinnen und Migranten entwickelt. Bis dahin gab es in der Schweiz keine migrationsgerecht gestalteten Informationsmaterialien zum Thema Bewegung und Sport.

Seit 2009 bearbeitet das Bundesamt für Sport BASPO im Rahmen des Kompetenzzentrums Integration durch Sport KIS (www.baspo.ch/kis) das Thema der Chancengleichheit im Zugang zu Bewegung und Sport. Dabei kommt der Partizipation von Migrantinnen und Migranten an Bewegungs- und Sportangeboten mittels bedürfnisgerechter Angebote besondere Bedeutung zu.

Was war die Motivation des BASPO Informationsmaterial für die Migrationsbevölkerung zu entwickeln?

Erebungen zum Bewegungsverhalten und zum Gesundheitszustand der Bevölkerung zeigen, dass sich Migrantinnen und Migranten weniger bewegen als die Schweizer Bevölkerung und auch stärker unter den gesundheitlichen Folgen von Bewegungsmangel leiden. Zudem erhielt das BASPO die Möglichkeit im Rahmen der Strategie «Migration und Gesundheit» Informationsmaterial für die Migrationsbevölkerung zu entwickeln.

Welches Vorgehen wurde bei der Entwicklung des Informationsmaterials gewählt?

Zunächst wurde der Informationsbedarf zum Thema Bewegung und Sport bei der Migrationsbevölkerung und den Fachpersonen in den Bereichen Migration, Integration und Gesundheit abgeklärt. Auch die spezifischen Bedürfnisse hinsichtlich Inhalt, Form und Verteilung, wollten wir mit der Zielgruppe direkt diskutieren. Deshalb haben wir in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Roten Kreuz Fokusgruppen mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Herkunftsgruppen durchgeführt. Die Resultate aus den Fokusgruppen sowie die Rückmeldungen zu einem ersten Entwurf waren Grundlage für die Endversion der Broschüre Bewegung ist Leben. Die Broschüre wurde zunächst in acht, dann in neun Sprachen publiziert.

Ein Jahr nach der Publikation der Broschüre haben wir eine Evaluation der Praxisrelevanz, Brauchbarkeit und Akzeptanz der Broschüre gemacht. Wir wollten wissen, ob die Broschüre auch tatsächlich brauchbar ist und wie sie eingesetzt wird.

Welche Erkenntnisse konnten mit den Fokusgruppen und der Evaluation gewonnen werden?

Die Fokusgruppen zeigten einerseits wie wichtig Informationsmaterial zu Bewegung und Sport für die Migrationsbevölkerung sind. Andererseits stellten wir fest, dass die Gründe, Motive und Möglichkeiten, sich zu bewegen dieselben sind wie bei Schweizerinnen und Schweizern. Das Migrationsspezifische am Material liegt vor allem in der Form, Gestaltung und Vermittlung der Informationen bzw. in der Erreichbarkeit der Zielgruppe. Neben den verschiedenen Sprachversionen, bilden die Fotos und Illustrationen und die verwendeten Testimonials explizit die Vielfalt der Bevölkerung ab. Möglichst viele Vertreterinnen und Vertreter der sehr heterogenen Zielgruppe der Migrantinnen und Migranten sollen sich durch die spezifische Struktur der Broschüre, die Bilder und Zitate angesprochen fühlen.

Welche Herausforderungen stellten sich?

Die Heterogenität der Zielgruppe war und ist eine grosse Herausforderung. Die Teilnehmer/innen der Fokusgruppen und die in der Evaluation befragten Fachpersonen betonten zwar die Notwendigkeit, schriftliches Material in verschiedenen Sprachen zur Verfügung zu haben. Jedoch wurde auch klar, dass eine solche Broschüre nicht für alle Personen und Altersgruppen geeignet ist. Besonders für Personen, die nicht lesen können oder sich den Umgang mit textbasiertem Material nicht gewohnt sind, bleibt die Broschüre schwer zugänglich. Für diese Zielgruppe, die einen schlechteren Zugang zum Gesundheitssystem und zu gesundheits- und bewegungsfördernden Angeboten hat, würden sich audiovisuelle Medien besser eignen.
Weiter stellt die  Erreichbarkeit eine Herausforderung dar. Nach Meinung der Fokusgruppen-Teilnehmer/innen, soll die Broschüre nicht einfach an die Zielgruppe verteilt, sondern von Fachpersonen eingebettet in einen Kontext vermittelt werden. Auch die Evaluation bestätigte die Wichtigkeit der Vermittlung der Broschüre durch Fach- und Vertrauenspersonen. Damit die Zielgruppe die Inhalte der Broschüre auch tatsächlich umsetzt, sind ausserdem konkrete Angebote nötig, die so konzipiert und kommuniziert werden, dass sich die Zielgruppe angesprochen fühlt. 

Wie geht die Arbeit weiter?

Die Schlussfolgerungen aus der Bedürfnisanalyse und der Evaluation haben beim BASPO zu einer Vertiefung der Thematik «Bewegungsförderung für Migrantinnen und Migranten» geführt. Mit der Entwicklung eines Kurzfilms zum Thema Bewegung und Sport, soll Fachpersonen ab Anfang 2011 ein Arbeitsinstrument zur Verfügung stehen, um Eltern mit Migrationshintergrund den Nutzen von Bewegung und Sport für die gesunde Entwicklung ihrer Kinder zu vermitteln. DVD «Bewegung ist Leben» Im Rahmen von massgeschneiderten Weiterbildungen vermittelt das BASPO Kursleitenden und MediatorInnen die Inhalte der Broschüre und des Films. So arbeitete das BASPO beispielsweise bei der Entwicklung eines VIA-Kursmoduls zum Thema Bewegung mit dem SRK zusammen, führte Weiterbildungen für FemmesTISCHE Moderatorinnen durch oder war an einem Integrationsprojekt der Caritas Bern mit einem Weiterbildungsmodul beteiligt. Neben der Beratung von Organisationen, können diese seit Anfang 2010 Gesuche zur finanziellen Unterstützung von migrationsspezifischen Bewegungsangeboten einreichen. 

www.baspo.ch/kis

Präventionsbotschaften mittels Mediatorinnen und Mediatoren vermitteln

Die Aids-Hilfe Schweiz fokussiert ihre Präventionsaktivitäten auf zielgruppenspezifische Massnahmen und arbeitet mit Mediatorinnen und Mediatoren zusammen.

Bericht über die Arbeit mit Mediatorinnen und Mediatoren der Aids-Hilfe Schweiz

Neben Männern, die Sex mit Männern haben, betrifft dies Menschen, die mit HIV leben, Menschen aus Hochprävalenzländern und SexarbeiterInnen. MigrantInnen in dieser Zielgruppen bietet die AHS Informationsmaterial in 23 Sprachen an. Um die nötigen Informationen an Menschen aus Hochprävalenzländern und Sexworkerinnen mit Migrationshintergrund zu bringen, setzt die Aids-Hilfe Schweiz zudem Mediatorinnen und Mediatoren aus den wichtigsten Herkunftsländern der Zielgruppen ein. 

Zahl und Herkunft

Fast hundert Mediatorinnen und Mediatoren sind im Auftrag der AHS tätig. Rund 50 im Rahmen des Programms Afrimedia, das heisst für MigrantInnen aus Subsahara-Afrika und rund 40 im Rahmen des Programms APiS, Aids-Prävention im Sexgewerbe. Neben den MediatorInnen aus Subsahara-Afrika, die den Grossteil der MediatorInnen Afrimedia ausmachen, sind auch einige wenige MediatorInnen für MigrantInnen aus Lateinamerika und Osteuropa tätig. Bei den MediatorInnen APiS sehen die Zahlen anders aus. Hier stammen je rund ein Drittel aus osteuropäischen Ländern und aus Lateinamerika. Das letzte Drittel teilen sich Mediatorinnen aus Westeuropa und Asien. 

Auftrag

Der Begriff «Mediation» bezieht sich im weitesten Sinn auf eine Vermittlungsposition im Kommunikationsprozess zwischen AdressantIn und AdressatIn . Die MediatorInnen haben den Auftrag, die Präventionsbotschaften der AHS in an die designierten  Zielgruppen zu vermitteln. Im Kern sind dies die Safer-Sex-Regeln:

1. Eindringen immer mit Gummi 
2. Kein Sperma, kein Menstruationsblut in den Mund, nicht schlucken
3. NEU: Bei Juckreiz, Brennen oder Ausfluss zum Arzt
Dazu informieren die MediatorInnen über Beratungs- und Testangebote der regionalen Aids-Hilfen und vermitteln auf Wunsch Kontakte zu Selbsthilfegruppen. Wichtig ist auch die Monitoringfunktion der MediatorInnen. Dank ihrer Rückmeldungen kann die AHS relativ rasch auf neue Entwicklungen in den Zielgruppen reagieren und beispielsweise die Sprachen ihrer Informationsmaterialien oder die Themen der Weiterbildungsangebote für die Verbandsmitglieder anpassen. 

Einsatzorte und -zeiten

Die MediatorInnen Afrimedia kommen in Asylzentren, an Informationsveranstaltungen von MigrantInnen-Organisationen, kirchlichen Veranstaltungen, Strassenaktionen, Clubevents und in Discos, aber auch im Rahmen von informellen Kontakten im eigenen Bekanntenkreis zum Einsatz. Die Mediatorinnen-APiS kontaktieren die Sexarbeiterinnen an ihren Arbeitsorten, in Kontaktbars, Salons und auf der Strasse. Den Zugang zu diesen Etablissements, wo dieser nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, erarbeiten sich die Mediatorinnen über den langjährigen Aufbau von Vertrauensbeziehungen zu Schlüsselpersonen im Sexgewerbe und zu Betreibern von Nachtlokalen (?). Alle MediatorInnen kommen arbeiten  in erster Linie zu Randzeiten zum Einsatz,hauptsächlich am Abend, in der Nacht und an Wochenenden. Die Pensen variieren je nach Zielgruppe und Einsatzregion zwischen 2-12 Stunden pro Monat.

Struktur und Finanzierung

Die Einsätze der MediatorInnen werden von regionalen Aids-Hilfen oder anderen Fachstellen, die dem Verband Aids-Hilfe Schweiz angegliedert sind, geleitet. Von 62 Mitgliederorganisationen setzen 17 APiS und 12 Afrimedia-MediatorInnen ein . Die regionalen Präventionsfachleute sind verantwortlich für die Rekrutierung der MediatorInnen und für deren Einsatz. Die MediatorInnen erhalten einen Arbeitsvertrag mit einer Spesenregelung und ein Pflichtenheft, und sie müssen Einsatzrapporte erstellen. Manche regionalen Aids-Hilfen bieten ihren MediatorInnen Supervision und regionalspezifische Weiterbildungen an.  Die ProgrammleiterInnen in der Geschäftsstelle des Verbands sind zuständig für die Ausrichtung, Koordination und Qualitätssicherung der Programme Afrimedia und APiS. Sie entwickeln und produzieren die für den Einsatz der MediatorInnen benötigten Materialien und bieten nationale Weiterbildungen an. Finanziert werden die Programme aus Bundes- und Kantonsbeiträgen sowie aus Spendengeldern.

Aus- und Weiterbildung

Die MediatorInnen werden in Einführungskursen und in einer Grundlagenschulung auf ihren Einsatz vorbereitet. An jährlichen zweitägigen Weiterbildungen werden die MediatorInnen über die neuesten präventionsspezifischen Entwicklungen informiert, sie verfeinern ihre methodischen Fähigkeiten und haben Gelegenheit zum Austausch. Die Aus- und Weiterbildungen umfassen HIV-, Aids- und STI -spezifische Inhalte, Themen wie Stigmatisierung, Prekarisierung, Gewalt und Umgang mit kulturspezifischen Haltungen zu Sexualität und Krankheit sowie methodische Themen wie Auftrittskompetenz und Körpersprache, Einsatz von Bildmaterialien, Gesprächsleitung und Einsatzorganisation. Zunehmend an Gewicht gewinnt die Zusammenarbeit zwischen MediatorInnen und Präventionsfachleuten. Zum einen sollen deshalb in Zukunft die fachlichen Ressourcen der MediatorInnen, die vielfach einen qualifizierten beruflichen Hintergrund haben (als Pflegefachleute, sozio-kulturelle AnimatorInnen, SozialwissenschaftlerInnen) stärker beachtet, zum andern die kulturelle Kompetenz der (noch) mehrheitlich schweizerischen Präventionsfachleute erhöht werden.

Aufwand und Ertrag

Die Programme, Afrimedia und APiS, sind Ressourcen intensiv, sowohl finanziell als auch personell, und die Finanzierung ist in vielen Regionen nicht zufriedenstellend. Besonders störend sind die minimalen Pensen der MediatorInnen, welche nicht nur die Arbeit behindern, sondern kaum Zeit für eine adäquate Aus- und Weiterbildung lassen. Schwierig ist auch die Quantifizierung der Resultate der MediatorInneneinsätze, was wiederum die Mittelbeschaffung erschwert. Die Aids-Hilfe Schweiz ist dennoch von der Wirksamkeit und dem Nutzen der Programme überzeugt: Nicht nur können MigrantInnen in ihrer Sprache angesprochen werden, was für das Sprechen über heikle Themen wie Sexualität und Krankheit zumindest in einem ersten Schritt unabdingbar ist. Durch die Partizipation von Angehörigen der relevanten Zielgruppen an der Umsetzung von Präventionsmassnahmen werden diese darin bestärkt, die HIV/Aids und STI-Prävention zu ihrem eigenen Thema zu machen und somit vom Objekt zum Subjekt von Präventionsstrategien zu werden. Denn: Safer Sex passiert nicht von selbst!

www.aids.ch

Qualitätssicherung der Übersetzungen in Tigrinya und Somali

Bei der Übersetzung von Produkten in Sprachen wie beispielsweise tigrinya oder somali gibt es für den Auftraggeber kaum Möglichkeiten zur inhaltlichen Überprüfung der Übersetzung. Qualitätssicherung ist hier besonders wichtig. SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz stellt ihr Qualitätssicherungskonzept mit genannten Fokusgruppen vor und hat mit Frau Tekle Letebrhan Fitwi, Übersetzerin Tigrinya, ein kurzes Interview über ihre Arbeit geführt.

Auf der Website von SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz sind Informationsblätter zu Verhütungsmitteln sowie zu den Sexualorganen von Mann und Frau in elf Sprachen erhältlich*. Die 21 Informationsblätter können einzeln als pdf heruntergeladen werden. Sie ergänzen die Informationen über Verhütungsmittel in der Broschüre «Partnerschaft, Verhütung, Rechte, HIV, Schwangerschaft», welche in 12 Sprachen erhältlich ist. 

Letztes Jahr gelangten Fachleute aus unterschiedlichen Arbeitsgebieten an SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz mit dem dringenden Wunsch nach Übersetzung der Informationsblätter in die Sprachen Tigrinya und Somali. Obwohl seit einigen Jahren viele Menschen aus Eritrea und Somalia in der Schweiz Schutz suchen, gibt es kaum in diese Sprachen übersetzte Informationsmaterialien. Mit Unterstützung durch migesplus konnte SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz diese Lücke füllen.

Qualitätssicherung: Fokusgruppe

Zur Qualitätssicherung griff SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz auf die bewährte Methode der Fokusgruppen zurück. Die von der Übersetzerin übersetzten Informationsblätter werden durch die Fokusgruppenmitglieder auf allgemeine Verständlichkeit überprüft. In einer ersten Sitzung werden die Hinweise der Fokusgruppenmitglieder von der Übersetzerin aufgenommen und anschliessend eingearbeitet. Diese korrigierte Fassung wird erneut durch die Fokusgruppe geprüft, und in einer zweiten Sitzung werden allfällige weitere Änderungsvorschläge besprochen. Die Übersetzerin erstellt daraufhin die endgültige Fassung. Bevor die Dokumente veröffentlicht werden, überprüft die Übersetzerin nochmals das Layout.

Fragen an Frau Tekle Letebrhan Fitwi, Übersetzerin Tigrinya

Sie haben im Auftrag von SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz die Informationsblätter zu Verhütung auf Tigrinya übersetzt. Gab es dabei besondere Herausforderungen?

Das war eine sehr grosse Herausforderung! Die Übersetzung der Informationsblätter war eine beträchtliche Arbeit in dem Sinne, dass es für die Sprache Tigrinya kaum Hilfsmittel wie Wörterbücher gibt. Weil ich meine Arbeit bestmöglich machen wollte, investierte ich viel mehr Zeit als vorgesehen. Aus meinem Studium der Pharmazeutik kannte ich die verschiedenen Methoden zur Schwangerschaftsverhütung bereits, was sehr hilfreich war. Die grösste Schwierigkeit stellte die Suche nach den richtigen Wörtern in Tigrinya dar. Ich habe meine Expertise in den beiden Sprachen (Französisch und Tigrinya) beträchtlich erweitern können!

Die Fokusgruppe bestand aus zwei Frauen. Was waren Ihre anfänglichen Befürchtungen? Wie erlebten Sie die Zusammenarbeit? Was war an der Zusammenarbeit besonders wichtig für Sie? 

Ich hatte keine speziellen Befürchtungen was die Arbeit in der Fokusgruppe angeht. Im Gegenteil! Es ist unerlässlich, dass eine Arbeit wie diese durch andere Personen gegen gelesen wird, sei es auch nur um Tippfehler zu korrigieren… Angesichts der erwähnten Schwierigkeiten (keine adäquaten Hilfsmittel zur Übersetzung) war meine einzige Sorge, dass SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz keine Personen findet, welche Tigrinya angemessen beherrschen. Diese Sprache hat sich in den letzten zwanzig Jahren stark weiter entwickelt und erweitert, und viele Worte sind noch wenig bekannt.
Was diesen Punkt betrifft so hat die Fokusgruppe übrigens vorgeschlagen, ein einfacheres Vokabular zu verwenden um einer grösseren Bevölkerungsgruppe den Zugang zu den Informationen zu ermöglichen.

Was würden Sie sich für eine weitere Zusammenarbeit mit SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz wünschen?

Als Frau bin ich besonders sensibilisiert was diese Bevölkerungsgruppe betrifft. Ich bin daher sehr glücklich dazu beigetragen zu haben, die Möglichkeiten zur Schwangerschaftsverhütung besser bekannt zu machen. Ausserdem arbeite ich als Übersetzerin und interkulturelle Mediatorin und alles was mit Gesundheit, Sozialem und der Integration von Migrantinnen und Migranten zu tun hat interessiert mich.

*deutsch, französisch, italienisch, englisch, spanisch, portugiesisch, türkisch, albanisch, serbisch, und neu tigrinya und somali

Text und Interview: Christine Sieber, SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz

Das bringt Ihnen migesMedia:

Gesundheitsorganisationen

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  • Nutzen Sie das Know-How der Redaktorinnen und Redaktoren: z.B. für Übersetzungen, Textanpassungen, Bannergestaltung, usw.

Medien der Migrationsbevölkerung

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